2.Tourbericht - November 2016


Auch 2016 führte uns der Weg, allerdings nur im Duo, ein zweites Mal in unser Nachbarland Frankreich. Wir wollten endlich in dieses GO, das schon im Mai als eines der letzten Alternativziele (wo wir wegen dem engen Zugang abgebrochen hatten) auf unsere "Wunschliste" der Ligne Maginot stand.


Da ein Gros Ouvrage aber nicht in 2-3 Stunden erkundet werden kann, wir aber immer erst frühestens gegen 15 Uhr Vorort sein können durch die lange Anreise, war unser erstes Ziel auf dieser Reise, eine Festung im Süden von Metz, die wir auch noch nicht kannten!


Wie erwartet war es dann auch fast 15 Uhr, als wir am geplanten Abstellplatz für das Auto ankamen... wie immer Gepäck geschultert und los ging es. Nach knapp einem Kilometer zweigte auch schon der Weg ab in den üblichen grünen Dschungel und vom einstigen Hauptweg, war bis auf den Trampelfpad so gut wie nichts mehr zu sehen.

Festung H

 

Nach 5 Minuten tauchte der erste Beton, im nach wie vor dichten Grün des Waldes auf. Ein vorgelagerter Posten der Festung. Diesen hatten wir nach kurzer Zeit erkundet und begaben uns entlang des Festungssperrzaunes weiter zur Panzerbatterie der eigentlichen Festung.

Panzerbatterie Feste H.

 

Nach ein paar Wegbiegungen auf dem stetig leicht ansteigenden Weg, standen wir dann auch schon vor dem Bauwerk.
Die ehemaligen Eingänge waren nicht einmal vermauert, wie es sonst oft der Fall ist, somit war der Zugang zur Batterie recht einfach! Allerdings ist von dieser ehemaligen Panzerbatterie mit 4 Geschütztürmen nicht mehr allzu viel übrig. Entweder wurde hier bewusst gesprengt, oder der nördliche Teil erlitt einen beträchtlichen Treffer.

 

 

 

Wappen Feste H.

 

 

Imposant war allerdings das steinerne Wappen, also was noch sichtbar ist davon, über einem der Zugänge zur Batterie.

 

An den beiden Flanken der Panzerbatterie führen Wendeltreppen in die Tiefe. Über diese erreicht man verbunden mit einem Hohlgang die Grabenstreichen im östlichen Teil der Festung. Zuvor gesellte sich urplötzlich ein Vierbeiner zu uns und dessen Herrchen lies dann nicht lange auf sich warten. Ein französischer Gleichgesinnter, wieder einmal bedauerten wir unsere nicht vorhandenen Sprachkenntnisse und so blieb es bei einer "Hand und Fußkommunikation". Was uns der "Kollege" allerdings auf seinem Smartphone an Bildern zeigte, verschlug uns dann schon leicht den Atem .... Munitionsreste aller Art, kleine und größere Granaten aller Varianten, sogar Mienen waren dabei .... und all das gefunden hier auf dem Gelände ..... Seit dieser Begegnung laufe ich etwas achtsamer durch solche Locations und vermeide es tunlichst von vorhandenen Trampelpfaden abzuweichen!

 

GeschossOben auf der Panzerbatterie, begutachteten wir noch die Panzerkuppeln der Geschütze, in einer fanden wir noch ein Geschoss, welches dort einmal "eingeschlagen" hatte, sowie den Gußstempel der Panzerglocken. Gußstempel

 

 

 

 

 

 

Infanteriekaserne Feste H.

 

Als nächstes marschierten wir wieder auf einem Pfad, die Bilder von dem französischen "Kollegen" noch im Kopf, weiter zur Infanteriekaserne der Festung die sich mittig zwischen den beiden flankierenden Panzerbatterien befindet. Auch hier zeigten sich massive Spuren, die durch Sprengung oder Geschütztreffer verursacht wurden. Teile der Außenmauer fehlen Stellenweise und verleihen der Fassade einen bizarren Ausdruck. Nach dem wir die Kaserne erkundet hatten, begaben wir uns zur westlichen Panzerbatterie der Festung, die in einem vergleichbaren Zustand zur ersten war. Wir stiegen  hier über eine der gemauerten Wendeltreppenschächte hinab zum Verbindungshohlgang der Grabenstreiche, wo wir auch diese erkundeten.

 

 

 

Der Nachteil an herbstlichen Touren ist, dass frühzeitige Schwinden des Tageslichtes und so waren wir schon bald gezwungen zurück zu unserem fahrbaren Untersatz zu laufen, noch dazu wo wir jetzt wegen der Bilder des Franzosenkollegen auch etwas sensibilisiert waren und nicht im Halbdunklen über das Gelände "stolpern" wollten! Den weiter südlich liegenden Teil der Festung mussten wir somit leider auslassen, aber man braucht ja auch künftig noch Ziele für bevorstehende Exkursionen!
Nach der üblichen "Frischmacheprocedure" im Hotel ließen wir uns wie immer ein paar Burger á la Mäckes schmecken und beschlossen den Abend, schon mit der Vorfreude auf den Folgetag, mit ein paar 0,5er "Hülsen" vor unserem Hotel.

 

Am zweiten Tag ging es dann früh Morgens los zu unserem Gros Ouvrage. Dieses Mal wollten wir unser KFZ doch etwas versteckter parken, der Parkplatz an der Durchgansstraße erschien uns etwas zu offensichtlich. Also parkten wir etwas entfernter im Wald! Obwohl wir relativ früh dran waren, mussten wir zu unserer Überraschung feststellen, dass wir nicht die Einzigen sind die auf der holperigen Straße in Richtung beabsichtigtem Parkplatz unterwegs waren .... Als wir unser Fahrzeug abgestellt hatten fuhren noch andere PKWs in unsere Richtung ..... Anscheinend hatte hier eine etwas größere Gruppe von Frühsportlern ihren gemeinsamen Treffpunkt .... nicht gerade zu unserer Beruhigung!
Unsere Anwesenheit in der doch etwas markanten Kleidung, schien aber kein großes Interesse bei den Sportlern zu erwecken und als Selbige dann im Wald verschwunden waren, machten wir das Gleiche, nur in die andere Richtung zum Block wo sich der Eingang befand. Auf dem Weg, machten wir noch einen kurzen Schlenker zu einem der eigentlichen Eingangsblöcke, denn hier hatte es auch einen Zugang gegeben, der allerdings nach Infos  schon wieder verschlossen sein sollte, was sich auch bewahrheitete.
 

Nach dem wir die Straße mit dem nebenliegenden Parkplatz,  die den Bereich zwischen den Eingangsblöcken und den Bereich der Kampfblöcke schneidet, überquert hatten, verschwanden wir auch schon wieder im dichten Unterholz! Den Block von hier zu finden ist weniger schwer wenn man ungefähr die Richtung weiß, denn das fast undurchdringliche Gestrüpp Durschlupf am Blockan Rande des Areales mit den Kampfblöcken des Werkes lichtet sich nach ca. 50-70 Metern! Ohne Probleme fanden wir auch wieder unseren Betonklotz im Wald unter dem sich der Zugang durch die Scharte befindet!

 

 

 

 

NVA Pelle

 

Um uns nicht wieder schon am Anfang richtig einzusauen, zwängten wir uns in die vor einer Weile zugelegten Gummi-Schutzanzüge aus NVA-Beständen. Eine gute Entscheidung, denn auch hier war das Erdreich unter dem Betonvorsprung des Blockes vor der Scharte nass und matschig!

 

 

 

 

 

 

Der Erste rein und dann Gepäck hinterher und zum Schluss robbte ich noch durch die Scharte .... bei meiner Statur eine gewisse Presspassung, aber machbar. Die Bilder sind qualitativ nicht so umwerfend, da sie aus einem Video stammen, allerdings verdeutlichen sie die "räumlichen Gebenheiten" und Platzverhältnisse schon etwas .....

Einschlufen unter den Block die 47ner Scharte Einer ist schon drinn ....

Reinschlufen unter den Block,

vor die Scharte

Hier muss man(n) durch surprise Der Kollege hat.´s geschafft
Schartengeburt plums
was für ein "Winzloch" ...... frown und fast ist sie vollbracht, die 47ner "Schartengeburt" laugh

 

Im Inneren dann wieder raus aus der Gummipelle (was schon auch noch mal eine gewisse Herausforderung ist, wie das Anziehen davor) und schon ging es in die Tiefen dieses Werkes.
Was uns sofort sehr gut gefiel, war die unverputzte Verbindungsgalerie zu diesem Block. Hier wurden, verglichen zu anderen Werken die Mauersteine, anscheinend in ihrem Urzustand belassen.

gemauerte Galerie

Allerdings machte sich auch schon bald die vergleichsweise schlechte Luft zu anderen Werken bemerkbar. Diese Info, dass die Bewetterung in diesem Werk nicht sonderlich gut sein sollte, hatten wir schon im Vorab von etlichen Kollegen bekommen. Der O2 Gehalt war spürbar schlechter wie in anderen Werken, also etwas langsamer. Wir machten uns auch zielstrebig auf zum Hauptmunitionslager M1, denn hier befand sich die noch einzig ansatzweise erhaltene Kapellenfreske in einem losten Werk der Line .... KapelleDiese war dann auch schnell gefunden! Leider, leider haben hier schon vor vielen Jahren völlig hirnlose Zeitgenossen dieses Relikt aus der Vergangenheit, mit ein paar sinnlosen Schmierereien verunstaltet ..... Ob dies den Hintergrund hatte, dass dieses Motiv bösartig für immer zerstört werden sollte, oder einfach nur aus Dummheit .... schwer zu sagen ......

 

Mit etwas Mühe und digitalem Restaurieren kann man aber sehen wie es einmal ausgesehen hatte! Kapelle

 

 

 

 

 

 

 

Anschließend begaben wir uns in die Kaserne, wo auch noch ein paar sehr schöne Fresken zu finden sind, die aber leider durch den natürlichen Verfall und Feuchtigkeit in diesem Werk immer mehr zerstört werden.

 

Musiker Die nach wie vor schlechten Luftverhältnisse veranlassten uns dann auch, nach dem wir dem Eingangsblock noch inspiziert hatten, wieder in Richtung der Kampfblöcke zu gehen, wo die Luft auch wieder merklich besser wurde. Durch das übererden dieses Werkes bis oben hin, ist ein zirkulieren der Luft fast unmöglich. Durch den zwischenzeitlich gebuddelten Zugang am Eingangsblock musste das erheblich besser gewesen sein, aber leider war der eben wieder dicht! Wir hatten diesen auch von Innen gecheckt und dieser (hätte er noch bestanden) wäre noch um einiges enger und abenteuerlicher gewesen wie der am Kampfblock.


Hauptgalerie

 

Nach gut 5 Stunden pressten wir uns wieder in unsere Gummipellen und werkelten uns durch die Scharte wieder in Richtung Tageslicht. Nach dem wir uns auch hier wieder aus der Gummipelle befreit hatten, machten wir uns auf den Rückweg ....

 

 

 

 

 

 

Leider war dieser dann nicht so einfach wie erwartet ........ Von Seiten der Blöcke sah das Unterholz und Dornengestrüppe wieder völlig gleich aus und wir suchten eine ganze Weile vergeblich nach dem "Zugang" zu dem Trampelpfad, der uns wieder zum Parkplatz an der Straße führen sollte! Irgendwann hatten wir uns dann so richtig verfranzt in diesem Dickicht aus Schlehen und anderem Dornengeäste, auf der Suche nach dem Weg. Man konnte beide Straßen zum Greifen nahe hören, aber keinen richtigen "Weg" dorthin erkennen .... Irgendwie erreichten wir dann doch noch die andere Straße die paralell zum Werk verläuft, auf einem vermeintlichen Wildschweinpfad und krochen zerkratzt und übersäht mit Zweigen und Blättern, an einer völlig anderen Stelle als beabsichtigt, aus dem Dickicht!

Die Infanteriehindernisse, auf die wir auch stießen, waren verglichen mit diesem Dornendickicht richtig harmlos! Der Gedanke, hier im halbdunklen oder bei Dämmerung durch zu müssen ... puuuh, also war die Entscheidung frühzeitig wieder raus sehr weise!

 


Zurück am Hotel wieder das übliche Procedere. Für den Folgetag stand kein Besuch eines losten Werkes mehr auf dem Plan, sondern eine weitere offizielle genehmigte Demontage in einem verlassenen Werk der Linie. Zusammen mit den Kameraden unseres Festungsvereines, dem wir ein Jahr zuvor beigetreten waren, wollten wir weiter Material für die Nutzung im Werk des Vereines demontieren. DemontageBereits schon im September hatten wir den Verein bei einer Aktion dieser Art unterstützt und wollten dies nun auch wieder tun, bevor die offizielle Genehmigung durch das Militär endgültig wieder aufgehoben wurde.
Demontage

 

Da wir nun bereits fast alle zugänglichen Werke gesehen haben, werden sich zukünftige Touren auch mehr in Richtung Unterstützung und Arbeit im Werk des Vereines konzentrieren.

 

 

 

Den einen oder anderen Abstecher in ein verlassenes Werk wird es dabei aber sicher auch weiterhin geben, denn so ganz ohne dieses Feeling fehlt einem richtig "ML Infizierten" einfach etwas ....

 

   Zurück zur Bunkerfieberhauptseite  Zurück